Prüfen Sie nach der Winterpause vor der ersten Ausfahrt Reifen, Bremsen, Flüssigkeitsstände, Batterie und Beleuchtung. So entdecken Sie Schäden und Undichtigkeiten, bevor sie während der Fahrt zum Problem werden.
Richten Sie sich bei Füllständen, Kettenspannung und Wartungsintervallen nach der Betriebsanleitung Ihres Motorradmodells. Fahren Sie bei Auffälligkeiten an Bremsen oder Fahrwerk sowie bei Flüssigkeitsverlust nicht weiter. Lassen Sie die Ursache in einer Werkstatt prüfen.
Motorrad reinigen und auf Schäden prüfen
Waschen Sie das Motorrad zuerst. An sauberen Flächen fallen Rost, Risse und feuchte Stellen leichter auf. Prüfen Sie besonders Motor, Gabel, Federbein, Schläuche und Kraftstoffsystem auf undichte Stellen. Entdecken Sie Flüssigkeit unter dem Motorrad oder am Motor, lassen Sie die Ursache prüfen. Füllen Sie nicht einfach Flüssigkeit nach.
Kontrollieren Sie auch, ob Lenker und Verkleidung beschädigt sind und ob sich die Lenkung frei bewegen lässt. Schäden an Gabel oder Federbein gehören in die Werkstatt.
Reifen und Räder kontrollieren
Prüfen Sie den Luftdruck am kalten Reifen und stellen Sie ihn nach den Angaben des Motorradherstellers ein. Untersuchen Sie die Reifen auf Risse, Schnitte, Fremdkörper und ungleichmäßigen Verschleiß. Achten Sie außerdem auf sichtbare Schäden an den Felgen.
In Deutschland beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe für die meisten Motorradreifen 1,6 Millimeter im Hauptprofil. Das ist die Untergrenze. Empfehlungen für eine größere Reserve reichen je nach Quelle von 2 bis 4 Millimetern. Prüfen Sie deshalb den Zustand und die Profiltiefe sorgfältig, statt erst an der gesetzlichen Grenze zu handeln.
Das Herstellungsdatum allein sagt nicht, ob ein Reifen ersetzt werden muss. Es gibt keine allgemeingültige gesetzliche Altersgrenze für Motorradreifen. Berücksichtigen Sie neben dem Alter den Zustand, die Herstellerhinweise und bei Unsicherheit die Einschätzung einer Werkstatt.
Bremsen vor dem Start prüfen
Betätigen Sie Hand- und Fußbremse. Hand- und Fußbremse sollten sich normal betätigen lassen und einen klaren Druckpunkt haben. Prüfen Sie Bremsbeläge und Bremsscheiben auf sichtbaren Verschleiß. Bremsleitungen und Schläuche dürfen keine Risse, porösen Stellen oder feuchten Bereiche zeigen. Kontrollieren Sie auch den Bremsflüssigkeitsstand.
Ist der Bremshebel ungewöhnlich weich, verliert die Anlage Flüssigkeit oder liegt Öl beziehungsweise Fett auf einer Bremsscheibe, fahren Sie nicht los. Lassen Sie die Bremsanlage fachkundig prüfen. Das Wechselintervall der Bremsflüssigkeit hängt vom Motorrad ab. Maßgeblich sind der Wartungsplan und der Wartungsnachweis; bei fehlenden Angaben fragen Sie eine Werkstatt.
Batterie und Beleuchtung testen
Prüfen Sie vor dem ersten Motorstart, ob die Batterie ausreichend geladen ist. Sehen Sie sich auch Gehäuse und Anschlüsse an: Beschädigungen und Korrosion sollten Sie beheben lassen. Ein erfolgreicher Startversuch allein zeigt nicht zuverlässig, dass die Batterie in gutem Zustand ist.
Testen Sie Stand-, Abblend- und Fernlicht, Rücklicht, Kennzeichenbeleuchtung, Blinker und Hupe. Kontrollieren Sie das Bremslicht mit Hand- und Fußbremse. Achten Sie beim Starten und Anfahren auf die Kontrollleuchten, insbesondere auf die Anzeigen für Antiblockiersystem und Traktionskontrolle.
Flüssigkeiten und Wartung prüfen
Kontrollieren Sie den Motorölstand nach der Anleitung Ihres Motorrads. Bei flüssigkeitsgekühlten Modellen prüfen Sie zusätzlich den Kühlmittelstand. Sinkt ein Füllstand deutlich oder entdecken Sie nach dem Start frische Spuren von Öl, Kraftstoff oder Kühlmittel, lassen Sie die Ursache klären.
Ein Ölwechsel ist nicht allein deshalb für jedes Motorrad fällig, weil es den Winter über gestanden hat. Entscheidend sind der Wartungsplan und die Wartungshistorie. Prüfen Sie, wann der nächste Wechsel von Motoröl und Ölfilter ansteht, und richten Sie sich nach den Herstellerangaben.
Kette und Bedienelemente prüfen
Reinigen und schmieren Sie die Kette, wenn das nötig ist. Prüfen Sie den Durchhang nach den Vorgaben in der Betriebsanleitung, denn er unterscheidet sich je nach Modell. Achten Sie außerdem auf Schäden und darauf, ob die Kette an manchen Stellen stärker gelängt ist als an anderen. Ritzel und Kettenrad sollten ebenfalls keine auffälligen Abnutzungsspuren zeigen.
Drehen Sie den Gasgriff und bewegen Sie Kupplungs- und Bremshebel. Sie sollten sich leichtgängig betätigen lassen. Klemmt ein Bedienelement oder kehrt der Gasgriff nicht sauber zurück, muss die Ursache vor der Fahrt behoben werden.
HU und Schutzkleidung prüfen
Prüfen Sie, ob die Hauptuntersuchung (HU) fällig ist. Bei einem Saisonkennzeichen gilt: Wird die HU außerhalb des zugelassenen Betriebszeitraums fällig, muss sie im ersten Monat des nächsten Betriebszeitraums erfolgen. Das berechtigt nicht dazu, außerhalb des zugelassenen Zeitraums zu fahren.
Sehen Sie auch Helm, Visier, Schutzkleidung und Protektoren durch. Erkennbare Schäden sollten Sie ernst nehmen. Probieren Sie die Kleidung an, damit sie richtig sitzt und sich beim Fahren nicht verschiebt.
Erste Fahrt vorsichtig angehen
Sind alle Prüfungen unauffällig, machen Sie vor der längeren Tour eine kurze Probefahrt auf einer ruhigen Strecke. Prüfen Sie auf der Probefahrt Bremsen, Lenkung und Beleuchtung. Vermeiden Sie dabei riskante Situationen. Treten Geräusche, Vibrationen oder ein unsicheres Bremsgefühl auf, brechen Sie die Fahrt ab und lassen Sie das Motorrad prüfen.
Gewöhnen Sie sich nach der Winterpause schrittweise wieder ans Fahren. Beginnen Sie auf einer vertrauten Strecke und fahren Sie defensiv. Kalter Asphalt, Rollsplitt und Salzreste verringern den Grip. Ein Sicherheitstraining hilft, Bremsen und Ausweichen wieder zu üben.
